Reichweitenangst: Woher kommt sie und ist sie begründet?
Elektroautos werden zunehmend beliebter, dennoch sind viele Menschen weiterhin skeptisch und haben Reichweitenangst, wenn sie den Umstieg auf Elektrofahrzeuge in Betracht ziehen. Aber ist diese Reichweitenangst tatsächlich begründet und wie weit kommt man heutzutage eigentlich mit einem E-Auto?
In diesem Artikel werden wir diese und weitere Fragen klären.
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Was ist Reichweitenangst?
Reichweitenangst ist die Sorge der Menschen, dass sie ihr gewünschtes Ziel mit dem E-Auto nicht erreichen, ohne erneut laden zu müssen. Diese Angst ist besonders bei jenen Leuten ausgeprägt, die überlegen auf ein Elektrofahrzeug umzusteigen oder gerade ein E-Auto gekauft haben. Sie befürchten, keine Ladestation zu finden und mit dem Elektroauto am Weg “liegen zu bleiben”.
Damals war diese Sorge begründet, aber in den letzten Jahren hat sich die Akkuleistung von Elektroautos stark erhöht und die Ladezeit wurde und wird immer geringer. Zudem fährt der Durschnittsdeutsche täglich nur 35 Kilometer und nur 1% aller Autofahrten sind Strecken über 100 Kilometer. Trotzdem bleibt die Reichweite die größte Sorge und hält Menschen davon ab, auf E-Mobilität umzusteigen.
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Warum existiert Reichweitenangst?
Reichweitenangst resultiert aus unterschiedlichen Faktoren, die sowohl mit der technischen Entwicklung als auch mit psychologischen Aspekten zusammenhängen. Hier sind einige der Hauptgründe:
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Geringe Batteriekapazität früherer Automodelle: In den Anfangsjahren der Elektromobilität hatten viele E-Autos tatsächlich eine relativ geringe Reichweite von maximal 200 Kilometern pro Ladung. Pausen waren auf längeren Strecken also notwendig.
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Unzureichend Ladestationen: Noch vor wenigen Jahren war das Netz an Ladestationen in Österreich und anderen Ländern unzureichend ausgebaut. Wer also eine längere Fahrt plante, musste genau überlegen, wo und wann er laden konnte.
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Gewohnheit: Wir sind es gewohnt jederzeit an eine Tankstelle fahren zu können, um unser Auto zu tanken. Die Vorstellung, dass man auf die Batterieladung achten muss, löst bei vielen Menschen Ängste aus.
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Fehlende Informationen: Viele Menschen haben unzureichende oder sogar falsche Informationen über die tatsächliche Reichweite moderner Elektroautos oder die Verfügbarkeit von Ladestationen.
Hindert die Reichweitenangst den Umstieg zum Elektroauto?
Ja, die Reichweitenangst stellt ein Hindernis für den Umstieg zum E-Auto dar. EVBox zufolge sind 46 Prozent der potenziellen E-Autofahrer unsicher, ob sie ihr Elektroauto bei Bedarf aufladen können.
Quelle: EVBox
Ist die Reichweitenangst heutzutage begründet?
Nein, die Reichweitenangst ist nicht begründet, zumindest nicht in West-, Mittel- und Nordeuropa. Die Akkuleistung von Elektroautos wurde in den letzten Jahren deutlich optimiert und die Ladezeit immer geringer. An besonders leistungsstarken DC-Ladestationen, sogenannten HPC-Chargern, lädst du mittlerweile mit einigen Autos sogar unter 20 Minuten, wenn du von 10 auf 80 Prozent lädst. Und auch im Verbrauch werden E-Autos immer sparsamer.
Wir wollen im Folgenden eine Übersicht über die technologischen und infrastrukturellen Fortschritte geben.
Verbesserte Batteriekapazität und Reichweite
Die Reichweite von Elektroautos ist in den letzten Jahren deutlich gestiegen, das zeigt auch der Ecotest vom ADAC. 2010 hatten Elektrofahrzeuge im Durchschnitt nur circa eine Reichweite von 123 Kilometer, 2017 waren es schon rund 300 Kilometer und 2023 lag die durchschnittliche Reichweite bei rund 400 Kilometer.
Bildquelle: ADAC
Viele der neueren E-Auto-Modelle haben heutzutage eine durchschnittliche WLTP-Reichweite von bis zu 400 Kilometer.
Das heißt, dass die Reichweite von E-Autos für den Durchschnittsösterreicher, wie wir zuvor gelesen haben, kein Problem mehr darstellt, denn für das tägliche Pendeln oder Kurzstrecken reicht das allemal aus. Manche Elektroautos, wie z. B. der Lucid Air, haben sogar eine WLTP-Reichweite von bis zu 800 Kilometer.
Schauen wir uns gleich mal vier der beliebtesten E-Autos an.
Das Tesla Model Y hat zum Beispiel eine WLTP-Reichweite von bis zu 600 Kilometer, der Audi Q4 e-tron 544 Kilometer, der Škoda Enyaq verfügt über 522 Kilometer Reichweite und der VW ID.4 hat eine stolze WLTP-Reichweite von 531 Kilometer.
Fährst du also circa 40 Kilometer pro Tag, kann dein Akku möglicherweise für rund 13 Tage reichen. Klar ist das auch stark abhängig von deinem Fahrstil und dem Wetter. Und fährst du mit 160 km/h von Berlin nach München, ist die Batterie natürlich deutlich schneller leer, als wenn du konstant mit 120 km/h fährst. Das gilt im Grunde für den Verbrenner genauso, wirkt sich beim Elektroauto aber etwas stärker aus. Und im Winter benötigst du eben auch mehr kWh auf 100 km als im Sommer.
Welche Reichweite du im Endeffekt benötigst, kommt auch ganz stark auf deine Lebensumstände an, also ob du am Land oder in der Stadt lebst, zur Arbeit pendelst oder dein Elektroauto nur gelegentlich verwendest. Aber auch wenn du täglich in die Arbeit pendelst oder oft in den Urlaub fährst. Sogar lange Strecken kannst du im Grunde unbekümmert zurücklegen, da du mittlerweile eigentlich fast überall Ladepunkte findest oder zuhause mit einer Wallbox laden kannst.
An deiner eigenen Wallbox oder der deines Arbeitgebers zu laden, hat viele Vorteile. Ein Vorteil ist sicherlich, dass dein Auto zu Zeiten laden kann, zu denen du entweder schläfst oder arbeitest, und du dir dadurch jede Menge Wartezeit ersparst. Stehst du in der Früh auf oder kommst am Abend von der Arbeit, ist das Auto nach ca. 7 Stunden wieder voll aufgeladen. Zudem zahlst du zum Beispiel mit einem Stromvertrag mit stündlich flexiblem Tarif in den Schwachlastzeiten mitunter deutlich weniger für jede geladene Kilowattstunde und schonst so deinen Geldbeutel. Daher mein Appell an dich: wenn du Zeit hast, dann lade lieber an einer AC-Wallbox statt an einer DC-Ladestation.
Hast du Photovoltaikpaneele zuhause installiert, kann es Sinn machen, an sonnigen Tagen, an denen die Anlage viel zu viel Energie produziert, dein E-Auto zu laden. Denn lädst du mit PV-Überschuss maximierst du deinen Eigenverbrauch, wodurch du weniger Strom aus dem Netz beziehst und so wiederum Geld sparst. Mit einer smarten Wallbox wie unserem go-e Charger und einem Energiemanagementsystem geht das sogar vollautomatisiert.
Dichtes Netz an öffentlichen Ladestationen
Die Ladeinfrastruktur wird zudem täglich ausgebaut. Laut Gesetzesbeschluss des EU-Parlaments müssen bis 2026 entlang aller Hauptverkehrsstraßen innerhalb der EU mindestens alle 60 km Ladestationen für Elektroautos zur Verfügung stehen. Deutschland verfügt bereits jetzt über ein flächendeckendes Ladenetzwerk mit über 130.000 öffentlichen Ladepunkten, während es in den Niederlanden rund 160.000 Ladepunkte gibt. In Italien sind es circa 46.000 Ladepunkte, in Kroatien rund 1.500, die sich insbesondere entlang der Hauptverkehrsachsen und rund um größere Städte befinden, und in Frankreich findest du rund 130.000 Ladepunkte.
Fährst du also zum Beispiel von Wien nach Zagreb oder von München nach Wien, schaffst du diese Strecke mit nur einem kurzen Stopp, vorausgesetzt dein Auto war voll geladen. Je nach Fahrweise, Jahreszeit und Akkukapazität kann es sogar ohne Pause möglich sein. Mindestens eine Ladepause ist jedoch empfehlenswert, da sie deine Aufmerksamkeit erhöht, dein Wohlbefinden während der Fahrt steigert und somit auch zur Verkehrssicherheit beiträgt. Natürlich ist die Anzahl an Ladepausen anhängig vom Auto, der Strecke und den Wetterbedingungen. Es macht also einen Unterschied, ob du ein Elektroauto mit einer Reichweite von 500 km fährst, oder eines mit einer Reichweite von 200 oder 300 km.
Schnellladestationen und Ladezeiten
Die Ladezeit ist natürlich auch wieder von unterschiedlichen Faktoren abhängig. Es gibt, wie schon erwähnt, mittlerweile einige Elektroautos, die an Schnelladestationen von beispielsweise Ionity oder Tesla in circa 18 bis 20 oder 25 Minuten von 10 auf 80 Prozent laden.
Beim Hyundai IONIQ 6 lädst du aufgrund der maximalen Ladeleistung von über 220 kW DC in 10 Minuten stolze 226 Kilometer nach. Beim Hyundai IONIQ 5 sind es 218 Kilometer in 10 Minuten. Und beim Porsche Taycan Sport Turismo GTS lädst du in 10 Minuten ganze 205 Kilometer Reichweite nach.
Nicht schlecht, oder!?
Ja, klar sind wir da noch nicht bei den Zeiten, die du an einer Tankstelle verbringst, aber rund 15-20 Minuten ist schon richtig gut. Und in Zukunft wird dies sicherlich noch kürzer werden.
Während des Ladevorgangs musst du auch nicht beim Auto stehen bleiben. Denn so oder so, ein Kaffee oder eine Toilettenpause auf der Raststation ist ohnehin nie verkehrt. Und abgesehen davon kommt man im Alltag, wie schon erwähnt, oft auch ohne Ladung an der öffentlichen Ladestation aus, wenn man eben beispielsweise zuhause mit seiner privaten Wallbox lädt.
Planungs- und Assistenzsysteme
Viele E-Autos sind mittlerweile mit intelligenten Navigationssystemen ausgestattet, die nicht nur den besten Weg zum Ziel anzeigen, sondern auch die nächstgelegenen öffentlichen Ladestationen vorschlagen und sogar den aktuellen Ladezustand des E-Autos in die Routenplanung einbeziehen.
Wie kannst du die Reichweitenangst überwinden?
Hast du immer noch die Angst, dass dein Elektroauto nicht genügend Reichweite bietet, haben wir einige Tipps für dich, die dir helfen können, deine Reichweitenangst zu überwinden:
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Lerne dein E-Auto kennen: Mach dich mit den technischen Eigenschaften deines Elektroautos vertraut. Die Reichweite wird stark von deinem Fahrverhalten beeinflusst. Versuche, vorausschauend zu fahren und hohe Geschwindigkeiten zu vermeiden, um die Effizienz zu steigern.
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Plane deine Strecken im Voraus: Vor allem bei längeren Fahrten kann es hilfreich sein, im Voraus zu planen. Nutze Apps und Websites, um herauszufinden, wo du entlang deiner Strecke laden kannst. Die meisten Navigationssysteme in Elektroautos unterstützen dich dabei.
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Kaufe dir eine Wallbox für Zuhause: Wenn du die Möglichkeit hast, eine Wallbox zu Hause zu installieren, kannst du dein Elektroauto bequem über Nacht aufladen. So startest du jeden Tag mit voller Batterie und musst dir weniger Gedanken über das Laden unterwegs machen.
Zusammenfassung: E-Auto Reichweite und Reichweitenangst
Reichweitenangst ist nicht unbedingt rational und zumindest in West-, Mittel- und Nordeuropa ist sie auch nicht mehr begründet. Dass es kaum Ladestationen gibt, ist schlicht und einfach falsch. Und auf langen Reisen ist die Ladezeit mit HPC-Chargern im Vergleich zur Wallbox extrem kurz. Das reicht oft kaum für den Gang zur Toilette und einen Kaffee. Auch die Reichweite von Elektroautos nimmt Jahr für Jahr zu und die Ladezeiten werden auch immer kürzer.
Die gute Nachricht: Laut dem EV-Driver-Report 2023 von Shell, geht die Reichweitenangst zurück, zumindest bei den Menschen, die bereits Erfahrung in der E-Mobilität gesammelt haben.
- Reisen mit dem E-Auto